Der Fall Brand

 

Margarita Fuchs

 

gebunden, 356 Seiten | € 21,00

 

 

September 2016

 

 

ISBN 978-3-902932-56-3

 

 

Leseprobe

 

Eine renommierte Firma mit einem jovialen Chef, netten Kollegen und besten Freunden. So scheint es. Dennoch sterben unter mysteriösen Umständen zwei Menschen. Ein Verbrechen? Nach einer wahren Begebenheit zeichnet M. Fuchs punktgenau die Charaktere einer dunklen, niemals aussterbenden Seite des Lebens. Die Autorin versteht es meisterhaft, emotionale Höhepunkte der Handlung zu fokussieren, Spannungen zu verdichten und gesellschaftskritische Fragen offen zulegen. 

 

Rezensionen

Der Fall Brand - Überlegungen zu einem ungewöhnlichen Buch

Margarita Fuchs hat einen vielbeachteten  Roman vorgelegt: „Der Fall Brand".Worum geht es in diesem Buch? Ist es ein Wirtschaftskrimi,wie viele meinen? Ja, das ist er auch. Ein Kriminalroman, wie der Titel vermuten lässt - auch das. Ein Buch, eine Erzählung,ein Nachdenken über das Leben und die Geschehnisse im beginnenden 21.Jahrhundert, mit den vielen Verzweigungen, die unser Leben so vielschichtig,so unübersichtlich, für uns einzelne oft unüberschaubar machen. (...)

Eine gutsituierte Familie der oberen Mittelschicht, Herr und Frau Brand, steht im Mittelpunkt. Er und sie - er Techniker und Forscher, sie Ärztin, führen aus beruflichen Gründen eine Wochenendehe, die beiden Töchter studieren an anderen Orten.

Dann tritt erstmals der Tod ins Geschehen: ein mysteriöser Todesfall im beruflichen Kontext des Mannes, der durch Zufall von der Frau entdeckt wird.

Schließlich trifft ein unbegreifliches, unerklärliches Verbrechen die eigene Familie: Eine der beiden Töchter ist tot, sichtlich Opfer eines Verbrechens. Die Polizei hüllt sich aus ermittlungstechnischen Gründen und wegen Arbeitsüberlastung in Schweigen, hält nur formalen und oberflächlichen  Kontakt mit den Angehörigen, ohne diese wirklich in die Aufklärung oder zumindest in die Aufarbeitung einzubeziehen.

Herr Brand ist Teil eines Netzwerks von alten Freunden, allesamt in irgendeiner Form mit seiner Firma oder seinem Aufgabengebiet verbunden. Mit seiner Firma und vor allem deren Chef ist er in Loyalität verbunden, ohne zu ahnen, dass ihn diese Loyalität seine berufliche Zukunft kosten wird, und das wie der sprichwörtliche Blitz aus heiterem Himmel.

Genug der Inhaltsangabe - der geneigte Leser möge sich selbst ein Bild machen, so viel sei aber verraten: Die Lektüre lohnt sich. Der Roman ist vom Anfang bis zum Schluss spannend, fesselnd geschrieben. Ich habe die gut 350 Seiten in einem Zug gelesen. Es ist zwar keine leichte Kost, die uns Margarita Fuchs.da vorsetzt - der Genuss ist umso ergiebiger.

Extrem spannend ist die Beschreibung der Beziehungen unter den einzelnen Akteuren :wie das Ehepaar miteinander umgeht, die Abläufe bei einem Männerausflug,die Interaktion der Frauen, nämlich der Mutter mit den Töchtern ebenso wie der Töchter untereinander, das Auseinanderbrechen der durchwegs männlichen Seilschaft und last but not least die Entwicklung der Kommunikation zwischen den Eheleuten.

All dies lehnt sich an eine wahre Begebenheit an, deren äußere Abläufe mit großer Genauigkeit recherchiert sind und die die Unwahrscheinlichkeiten des Lebens so darstellen, wie sie eben sind: unerwartet, überraschend, aber wahr. Eine lohnende Lektüre.

Georg Zwinger, Salzburg.

Früher Sozialarbeiter und Manager eines großen Sozialunternehmens

 

 

Fuchs, Margarita: Der Fall Brand

:Roman I Margarita Fuchs.- Salzburg [u.a.] :

Ed.Tandem, 2016. - 356 s.

ISBN 978-3-902932-56-3  fest geb.:ca.€ 21,00

Spannender Roman über Korruption und Macht­


Gerhard Brand ist ein begabter Chemiker und zu  einer anerkannten  und hoch dotierten  Potion gebracht. Seine Frau  Natalie ist Ärztin in einer Klinik und die zwei erwachsenen Töchter Juliane und Sarah sind schon ausgezogen.

 Eines Tages hat Natalie   den Eindruck, dass sie von einem Auto ver­ folgt wird. Anfangs misst sie dem nicht viel Bedeutung bei. Als je­ doch ihre Tochter Sa­ rah in Innsbruck tot aufgefunden wird und ihr Mann in der Firma sukzessive degradiert und schließlich rausge­ schmissen  wird,  fängt

sie an, eins und eins zusammenzuzählen. Ger­ hard Brand hat den Tod seiner Tochter kaum verkraftet und wird, derart geschwächt, zum Spielball seiner Chefs. Die ehemals freundliche, fast familiäre Stimmung in der Geschäftsleitung schlägt um in knallharte Berechnung und Miss­ achtung der Normen . Die Welt der Brands brö­ ckelt an allen Ecken und Enden. Korruption und Machtgier machen ein Anhalten dieser Nega­ tivspirale fust unmöglich .

Margarita Fuchs hat den Roman vor dem Hin­ tergrund realer Fakten gesch.riebtn . Aus wech­ selnder Erzählperspektive wird die unaufhaltbare Tragik der Handlung überzeugend dargestellt . Der Einstieg in den Roman ist vom Spannungs­ aufbau her besonders gelungen. Ein empfehlens­ werter Roman!   Uschi Pirker

 bn 2017/2 - Seite 306

 

Einführung für Margarita Fuchs

 

Wir haben ein großes klassisches Motiv. Es zieht sich durch die Jahrhunderte, durch die Jahrtausende, es beschäftigt die Literatur, seit es die Schrift gibt und noch länger, seit sich Menschen etwas erzählen. Der Verrat ist eine Konstante im menschlichen Zusammenleben. Er trennt beste Freunde, er hinterlässt zerstörte Seelen und zerrüttete Beziehungen. Der Verrat vernichtet Erfolg und geht über Leichen. Und das ist wortwörtlich gemeint. Der Verrat ist der Bruder der Falschheit erpaktiert mit der Intrige, er ist der Gesinnungsgenosse der Lüge. Im jüngsten Roman von Margarita Fuchs ist der der Dauergast. Sie nimmt ihn nicht als existenzielle Größe, sondern lässt ihn auf dem Hintergrund gegenwärtiger kapitalistischer Verhältnisse richtig aufblühen. Verrat lohnt sich,wenn er, geschickt betrieben, Konkurrenten ausschaltet.

 Ein Chemiker bringt mit seinen Erfindungen einen Betrieb nach ganz oben. Er setzt auf Qualität, erobert den Weltmarkt, steht für stabilen Erfolg. Die Geschichte in aufsteigender Linie könnte weitergehen,wenn sie nicht Neider auf den Plan rufen würde. So verlaufen Lebensgeschichten nicht, nicht solche von Menschen und nicht solche von Betrieben. Davon erzählt uns Margarita Fuchs in einem Roman, in dem die Niedertracht sich mit fatalen Folgen einnistet in die Wirtschaft.

Der Chemiker Brand wird gegen jede Vernunft und gegen jeden Anstand entlassen. Was ist aus dem Inhaber der Firma geworden, der über so viele Jahre loyal zu Brand gestanden ist? Der gewiefte Unternehmer ist zur Marionette von Einflüsterern geworden. Wie konnte es dazu kommen? So schwerfällig, krank und verstandgeschwächt, wie er plötzlich wirkt, mag man an natürlichen Verschleiß nicht glauben. Zu viele Ungereimtheiten gibt es in der feindlichen Übernahme der Intriganten,die ins Verbrecherische weisen.

Zwei seltsame Todesfälle, kurz hintereinander, schrecken auf, beide bleiben ungeklärt. So sieht die offizielle Version aus, die die Erzählerin so nicht hinnehmen mag. Sie sieht einen Zusammenhang mit den überraschenden Vorgängen in der Firma, sucht Belege dafür, dass zwei Menschen ausgeschaltet werden sollten, die in unmittelbarem Einflussbereich der Beteiligten im Wirtschaftsdrama waren. Ein junger Mann hätte möglicherweise gefährlich werden können,weiler zu viel wusste. Und Sarah, die Tochter des Chemikers Brand, kam unter ungeklärten Umständen in Innsbruck zu Tode. An Zufall mag die Erzählerin nicht glauben,umso weniger, je länger sie sich mit den Ereignissen beschäftigt. Nachweisen lässt sich gar nichts,weil die Ermittlungen der Polizei Im Sand verlaufen.Ist es Nachlässigkeit oder Unfähigkeit, Gleichgültigkeit oder Schlamperei,dass sich Ergebnisse nicht einstellen wollen? Der Roman erzählt nicht nur eine Geschichte des Verrats, sondern auch eine des Versagens der Behörden.

Wir sehen, bei Margarita Fuchs finden wir reichlich Anlass zur Empörung.Als empörend erweisen sich auch die so hoch gehaltenen,gern glorifizierten Männerfreundschaften.  Brand,Bürger, Adelsperg und wie sie alle heißen unternehmen jährlich eine gemeinsame Radtour, ein wiederkehrendes Ritual der unverbrüchlichen Zusammengehörigkeit, kurz darauf, es geht um Geld, Macht und Einfluss, stehen sie als Feinde in der Arbeitswelt gegenüber. „Dämonie der Gemütlichkeit" nannte Hilde Spiel die österreichische Spielart verborgener Grausamkeit, Margarita Fuchs liefert dazu das bedrängende Anschauungsmaterial.

Ein Buch für gemütliche Abendstunden sieht anders aus. Aber Sie wollen es ja nicht anders.

 

Anton Thuswaldner